Lars Schmidt
WRITINGS

Lieder und Skizzen von Anders Wo
Aufgenommen mit Tascam 4 Spur Recorder, zwischen 1999 und 2002
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Stellen Sie sich vor, Sie nehmen einen Spaziergang in der deutschen Seele.
Vielleicht ist dies etwas von dem, was sich dort findet.
Ich habe umrisshaft gezeichnet, und als forschender Dilettant.

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Die Taenzerin
(Text und Musik: Lars Schmidt)

Es dreht sich weiter und weiter und weiter und weiter, immer mehr
und auf der Leiter, auf der ich steh'
kann ich den Anfang schon gar nicht mehr erkennen
und auch das Ende verliert sich in der Hoeh, es verliert sich in der Hoeh

Sie dreht im Kreise, im Kreise, in einem Kleide von Trachten und von Licht
die Wangenknochen, die zeichnen ihr Gesicht
Die Stimme tief, als blies der Wind in einen hohlen Baum
Wach auf, mein Kind, s'ist nur ein boeser Traum

Die Leute lachen, und klatschen und tratschen und fuellen schon den Platz
auf dem die Menge sich eingefunden hat
Und alle draengen und zwaengen und fluchen und warten auf den Tag,
an dem der Vorhang sich hebt: ein Zirkus in der Stadt, ein Zirkus in der Stadt

Und sie tanzt weiter und weiter und weiter und weiter in einem fort
Als waer sie einsam und allein an einem Ort
Und froehliche Seufzer entschwinden ihrer Kehle
in fremden Sprachen, doch ein jedermann versteht, ein jedermann versteht

Da ist ein Raunen, ein Staunen, ein Fuerchten, ein Fluechten in der Menge
Man schliesst die Augen, andere wollen sehn
Man bringt die Kinder nach Hause, die Pferde, die wiehern in den Staellen
und maechtige Wellen, die winden sich im See

Und sie tanzt weiter und weiter und weiter und weiter in einem fort
Als waer sie einsam und allein an einem Ort
Ihr Fleisch, das schwindet, sie empfindet, verkuendet und sie fasst sich in den Schritt
Ihr Leib erzittert, sie schlaegt die Augen auf, und stirbt

Ich finde Lieder und Bilder der Taenzerin, gemalt von zarter Hand
von euren Kinder wie aus einem fernen Land
Und ihre Stimme, ihr Wimmern, ihr Lachen, es klingt in allem wider
Sie dreht, ich sterbe, und so sind wir verwandt, und so sind wir verwandt

Es dreht sich weiter und weiter und weiter und weiter, immer mehr
und auf der Leiter, auf der ich steh'
kann ich den Anfang schon gar nicht mehr erkennen
und auch das Ende verliert sich in der Hoeh

*

Das kleine Maedchen
(Text und Musik: Lars Schmidt)

Das kleine Maedchen
sie ging zum Mond
sie hoerte, dass dort ihr Vater wohnt

Das kleine Maedchen
sie lief und lief
sie wusste nicht, dass der Vater schlief

Die blutigen Fuesse
voran, voran
sie wollte zum Mond
und kam nie an

Das kleine Maedchen
so bleich und still
das lief immer weiter, bis in den Dreck es fiel

Das Kleine Maedchen
das weint und weint
und da war es auf einmal mit dem Vater vereint

Die blutigen Fuesse
voran, voran
sie wollte zum Mond
doch sie kam nie an

Das kleine Maedchen
sie ging zum Mond
sie horte, dass dort ihr Vater wohnt

Die arme Mutter
die rief und rief
sie wusste nicht, dass ihr Maedchen schlief

*
Der Mond
(Text und Musik: Lars Schmidt)

Ich habe mit dem Mond geduscht
und ueber mich geregnet
Ein wuerzig feinen Wohlgeruch
So bin ich dir begenet

Ihre Augen waren ausgewaschen
Ihr Koerper sehr beweglich
Ihr Kuessen beinah unertraeglich
Langsam wurde ich umschlossen

Du hast das letzte, das Salz fuer die Erde
Du bist das Erste und du bist der Weg
In dir ist alles, wodurch ich lebe
In dir versammelt es sich zum Gebet

*

Ein Mann
(Text und Musik: Lars Schmidt)

Ihr sagt ich hab nur einen Arm
Ihr sagt ich bin ein armer Clown
Ihr sagt, das sei ein Fehler der Natur

Ihr sagt, seht nur den armen Kerl
Ihr sagt, was fuer ein Teufelswerk
Ihr fragt euch, ist das Schicksal, oder Fluch

Ihr habt Mitleid mit den Eltern, weil ich nunmal so komisch sei
Die Eltern fragen sich wie es geschah
Ihr sagt ich sei ein halber Mann, der nur die Haelfte tragen kann
und doch sei mein Verhalten undankbar

Wisst ihr was sich in mir regt, wenn ihr mir in die Augen seht?
Da spucke ich euch allen ins Gesicht
Was wisst ihr von dem einen Arm! Was wisst ihr von dem armen Clown!
Was wisst ihr von dem Fehler der Natur!

Was ihr nicht seht, das sing ich hier
Ich bin naemlich ein grosses Tier, mit allen Zauberkraeften dieser Welt
Und ich verwandle mich sekundenschnell in alles, alles, was ich will
Mein Leben endet nicht auf dieser Welt

So schickte ich euch einst die Pest, damit ihr mich nie mehr vergesst,
und schenkte auch der Katze sieben Leben
Ich bin der grosse Meister hier, der allen an den Ohren zieht,
und wer mir nicht gehorcht, kann was erleben

Ich habe alles fest im Griff, bin immun gegen jedes Gift
Fuer Schmerzen unempfindlich ist mein Wesen
Ich habe alles fest im Griff, bin immun gegen jedes Gift
Fuer Schmerzen unempfindlich ist mein Wesen